Galerie Katharina Krohn Basel
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Werner Hurter

Galerieausstellungen:
«MALEREI» · 05.09. - 08.11.2008
«NEUE BILDER» · 15.04. - 21.05.2005
Transparenz

Eine besondere Qualität von Werner Hurters Bildern ist ihre Transparenz. Anstatt die Bildfläche mit Farbe zuzumauern, bemüht er sich, ihr mit Hilfe eines schichtenweisen Farbauftrags eine durchlässige oder, wie die Architekten sagen, diaphane Struktur zu verleihen. Wie die Bilder von Per Kirkeby stellen seine Bilder gewissermassen «eine Summierung von Strukturen» dar. In einem stufenweisen Prozess des Zudeckens und Ablagerns schafft er wie dieser farbige Gebilde, die trotz ihrer Flächigkeit Tiefe und Raum suggerieren und deren formale Ambivalenz die unterschiedlichsten Interpretationsmöglichkeiten offen lässt.

Wer Werner Hurter näher kennt, weiss, wie sehr er den dänischen Künstlerkollegen verehrt. Im Eingang seines Hauses in Thaa hängt noch immer das schöne Plakat, das Kirkeby 1989 für seine Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur geschaffen hat - gleich vor der langen weissen Wand im Wohnzimmer, auf der er jeweils seine jüngsten Werke einer letzten Prüfung auszusetzen pflegt. Kein Zweifel, dass es Per Kirkeby war, der ihn einst zum Malen in übereinander liegenden Schichten inspiriert hat. Die ersten Bildtafeln, die auf diesem Gestaltungsprinzip beruhen, entstanden jedenfalls kurz nach der erwähnten Kirkeby-Ausstellung in Winterthur. Und dass diese Bilder auch die ersten waren, mit denen sich der Künstler in die totale Ungegenständlichkeit vorwagte, lässt diese Vermutung nur noch wahrscheinlicher erscheinen. Als Werner Hurter dann eineinhalb Jahre später ebenfalls im Kunstmuseum ausstellen konnte - es sollte die letzte Ausstellung unter meiner Ägide werden -, zögerte er nicht, diese neuesten Werkproben zu deren alleinigem Thema zu machen.

Siebzehn Jahre ist es jetzt seit dieser beeindruckenden Ausstellung her, die, wie man rückblickend behaupten darf, Hurters künstlerisches Talent erst richtig zur Entfaltung brachte. Das Arbeitsprinzip, das er damals erstmals zur Anwendung brachte, scheint sich jedenfalls so gut bewährt zu haben, dass er ihm bis heute treu blieb. Die Art und Weise, wie er dieses Prinzip anwendet, ändert sich jedoch ständig. Denn Werner Hurter gehört nicht zu denjenigen Künstlern, die sich so schnell mit einem erreichten Resultat zufrieden geben. Immer wieder versucht er, auf dem einmal eingeschlagenen Weg einen Schritt weiterzukommen, seine Kenntnisse zu vertiefen und sie um neue Einsichten zu bereichern. Und will es einmal mit der Arbeit nicht weitergehen, greift er einfach auf bereits Erprobtes zurück und versucht, von diesem Punkt aus ein neues Ziel anzupeilen.

Dies zeigte die zweite, noch grössere Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur, und diese Ausstellung in Basel, die wie die erste vor siebzehn Jahren ausschliesslich aus neu geschaffenen Werken bestehen. Auch diese Exponate beruhen noch immer auf dem Prinzip der Schichtung, die Bilder ebenso wie die zahlreichen Aquarelle, die er in letzter Zeit gemalt hat. Nur dass jetzt alles viel transparenter und serener wirkt. Dies heisst aber nicht, dass dem Künstler das Arbeiten unterdessen leichter von der Hand ginge. Was an diesen neuen Werken so spontan und unbekümmert anmutet, ist immer noch das Resultat langer und harter Arbeit. Auch von diesen Werken gilt, was Per Kirkeby in Bezug auf sein eigenes Schaffen einmal so formuliert hat: «Die leichtsinnigsten und leichtfertigsten Bilder sind oft nur die dünne Lackschicht über den verzweifeltsten Anstrengungen.»

Rudolf Koella