Galerie Katharina Krohn Basel
Matthias Lutzeyer
Matthias Lutzeyer
Matthias Lutzeyer
Matthias Lutzeyer

Matthias Lutzeyer

Galerieausstellungen:
«WEIHNACHTSAUSSTELLUNGEN» · 2003/04

«Die neuen Techniken der Bildproduktion haben die Farbe arbeitslos gemacht. Und das Verdienst von Matthias Lutzeyer besteht darin, die Farbe schonungslos und konsequent in diesem arbeitslosen Zustand zu zeigen.»
Boris Groys


Die arbeitslose Farbe

Schon seit langem wird das traditionelle Bild in den Räumen der Galerien, Privatsammlungen und Museen durch das grossformatige photographische Bild oder durch Ready-mades und Medienkunst ersetzt. Vor allem übernimmt die Photographie heutzutage die traditionellen Aufgaben der Malerei, die sich die Malerei selbst nicht mehr zu erfüllen traut. Das malerische Bild zerbrach allmählich unter den überzogenen Erwartungen und Forderungen, mit denen es seit dem Aufkommen der historischen Avantgarde konfrontiert wurde. Die Geschichte des malerischen Bildes in diesem Jahrhundert war die Geschichte seiner langen Agonie. Rückblickend lässt sich vielleicht sagen, dass der langsame Übergang vom malerischen zum photographischen Bild das eigentliche Kunstereignis der letzten Jahrzehnte war, wobei, wie bei jedem bedeutenden Wechsel, im Endeffekt alles beim Alten blieb.

Wenn heute das Werk eines einzelnen Photographen besprochen wird, handelt es sich dabei fast immer um seinen Inhalt, um das Verhältnis des Photographen zum abgebildeten Gegenstand – wie es in der traditionellen Kunstkritik vor dem Aufkommen der Avantgarde üblich war. Die neuen Techniken der Bildproduktion haben die Farbe arbeitslos gemacht. Und das Verdienst von Matthias Lutzeyer besteht darin, die Farbe schonlungslos und konsequent in diesem arbeitslosen Zustand zu zeigen. Es handelt sich nicht mehr darum zu demonstrieren, wie die Farbe arbeitet, sondern wie sie aussieht, wenn sie nicht arbeitet. Schon Marcel Duchamp hat darauf hingewiesen, dass der Künstler immer schon mit den Ready-mades arbeitet, wenn er mit Farbe arbeitet. Man merkt diesen Ready-made-Charakter der Farbe meistens nicht, wenn die Farbe im Arbeitsprozess verwendet wird. Aber nachdem der Farbe ihre Funktion als Mittel zur Abbildung der Aussenwelt entzogen wurde, ist sie selbst zu einem Ding, zu einer trägen Masse geworden, die uns plötzlich seltsam und verstörend vorkommt. So erscheint die Farbe in den Arbeiten von Lutzeyer – und so gewinnt sie noch einmal unsere Sympathie in den Zeiten ihrer gesellschaftlichen Not.

Boris Groys